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Gemeinsame Erklärung aller Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung

Gemeinsame Erklärung aller Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung
(im Anschluss an die Mahnwache), 27.2.

Gerhard Wittmeyer

Sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben in den letzten zwei Wochen gleich zwei Beispiele schrecklicher Gewalt in Hessen erfahren müssen. Auch wenn den Taten in Hanau und Volkmarsen unterschiedliche Motivationen zugrunde liegen: Beide haben gemeinsam, dass sie gegen unsere freie und demokratische Gesellschaft gerichtet sind.

Sie treffen uns unvorbereitet. Sie treffen uns heimtückisch. Sie treffen uns, während wir mit unseren Familien zusammen sind und wir mit nichts Bösem rechnen. Sie hinterlassen furchtbares Leid bei den Angehörigen und sie hinterlassen Angst bei allen, die davon erfahren.

Solche Taten befördern das Misstrauen in einer Gesellschaft und richten sich gegen deren Zusammenhalt. Sie sind Ausfluss einer Geisteshaltung, die Hass und Hetze, extremistisches und auch rassistisches Gedankengut vor die Freiheit des Einzelnen und das freiheitliche Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft setzen.

Viele von uns haben sich heute Abend zur Mahnwache getroffen, um der Angst und dem Misstrauen und den Angriffen auf unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft ein klares Zeichen entgegenzusetzen. Wir leben in einer freien Gesellschaft und wir lassen uns diese Gesellschaft nicht mit Hassparolen und Drohungen, mit willkürlicher Gewalt und nicht mit der Verbreitung von Angst zerstören.

Wir leben in einer Demokratie, in der jede seine Meinung sagen darf – solange es nicht die Würde und die Empfindungen anderer verletzt.

Wir sind alle dafür verantwortlich, Kante zu zeigen gegenüber denjenigen, die Hetze und Gewalt als selbstverständliches Mittel der Auseinandersetzung einsetzen.

Wir sind alle dafür verantwortlich, extremistischem Gedankengut, Rassismus und Intoleranz entgegenzutreten.

Wir sind alle dafür verantwortlich, die Werte unserer Gesellschaft zu leben und uns durch unser Handeln jeden Tag aufs Neue für ein freies und friedliches Miteinander einzusetzen, bei dem wir den Anderen respektieren und wertschätzen – auch wenn wir nicht mit ihm einer Meinung sind.

Wir als Stadtverordnete sind dafür im besonderen Maße verantwortlich.

Um für Respekt, für Toleranz und gegen Hass, Gewalt, Extremismus und Rassismus ein Zeichen zu setzen, haben alle Parteien heute zur Mahnwache aufgerufen. Wir sind hier als Politiker, Taunussteiner, Unternehmer, Freunde, Nachbarn. Wir sind hier als Menschen.

Die Familien der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau haben darum gebeten, dass ihre Angehörigen nicht vergessen werden. Ich werde jetzt die Namen der Opfer aus Hanau vorlesen und möchte Sie im Anschluss, im Namen aller Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, zu einer Schweigeminute einladen, um den Opfern zu gedenken. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen, Ihren Angehörigen und den vielen Verletzten aus Volkmarsen:

  • Ferhat Unvar
  • Mercedes Kierpacz
  • Sedat Gürbüz
  • Gökhan Gültekin
  • Hamza Kurtovi?
  • Kaloyan Velkov
  • Vili Viorel P?un
  • Said Nessar Hashemi
  • Fatih Saraço?lu

Bitte schweigen Sie mit mir eine Minute, um der Opfer zu gedenken.